Landesverband Tirol


 

Chronik

Der Landesverband der Tiroler Krippenfreunde

Einleitung
Nach der Überlieferung geht eine starke Wurzel der lebenden Krippendarstellung auf den hl. Franziskus von Assisi zurück. In einer einsamen Felsenhöhle im Wald von Greccio wollte er, hautnah wie bei allen seinen Taten, das stille innige Fest der hl. Familie mit dem Jesuskind erleben, im kleinen Kreis seiner Brüder und einer bäuerlichen Familie mit dem Kind. Seit dieser Krippenfeier im Jahr 1223 haben sich das Krippenwesen und der Krippengedanke stetig weiter entwickelt und an Bedeutung gewonnen.


Die ältesten Weihnachtskrippen in Tirol wurden in der Landeshauptstadt bereits im Jahre 1608 verzeichnet und zwar in der Jesuitenkirche und in der Franziskanerkirche. Ihnen folgten die Kapuzinerkirche, die Pfarrkirche von St. Jakob und die Spitalkirche. Das in der Krippe dargestellte Weihnachtsgeheimnis dem Volk nahe zu bringen, bemühten sich insbesondere die den beiden Klöstern der Franziskaner und Kapuziner angehörenden Söhne des hl. Franziskus. Die Franziskaner und Kapuziner ermunterten ihre Zuhörer, Weihnachtskrippen auch in den Wohnungen zu errichten. Zur Zeit der Aufklärung wurden die Krippen aus den Kirchen verbannt, wodurch die Krippen in den Bürger und Bauernhäusern immer mehr Einzug fanden.  Es fanden sich immer mehr Gleichgesinnte die ihre Gedanken und Erfahrungen über ihre Krippe bei einem Glas Wein austauschten. Schon um 1740 herum fanden solche Zusammenkünfte statt, insbesondere beim Buschenwirt in Innsbruck in der Stallgasse (heute Stiftgasse Nr. 6). Es wurde über dem Stammtisch der „Krippeler“ eine kleine Krippe angebracht und ab  1750 hieß die Weinschenke „Gasthaus zur Krippe“. Die Zahl der Krippenfreunde und vor allem auch der Krippenkünstler nahm immer mehr zu. Die Namen Johann Nepomuk Giner der Ältere, Johann Giner der Jüngere, Speckbacher, Probst, Demetz, Seisl, Kratzer, Pernlochner, Penz, um nur einige stellvertretend  für die vielen Schnitzer, Hintergrundmaler und Krippenbauer zu nennen, beeinflussten das Krippenwesen in Tirol entscheidend. Im Jahre 1860 erfolgte schließlich die Gründung eines Krippenvereines in Wenns im Pitztal. Dieser Verein gilt heute als ältester Krippenverein der Welt.


Verbandsgründung   
Es war am 12. Jänner des Jubeljahres 1909, als sich mehrere Krippenbesitzer beim damaligen Pfarrer Johann Chrysostomus Mößl aus dem Prämonstratenserstift Wilten in Sistrans, zu einem Krippenbesuch angesagt hatten. Während Pfarrer Mößl auf seine Gäste wartete und er sinnend vor der Krippe stand, schoss im plötzlich der Gedanke durch den Kopf: „Wie wäre es wenn man einen Krippeleverein gründen würde? Wieviele Krippelenarren würden wohl dann zusammen kommen?“ Dieser Blitzgedanke ließ ihn nicht mehr los, wobei er seinen Gästen der Isserwirt Reitmeier aus Lans, der Landesgerichtsrat und nachmalige Landeshauptmannstellvertreter Dr. Tragseil, der Kirchenprobst Gapp, der Nussbauer Neuner und der Zimmermeister Penz, nichts von seinem Vorhaben verriet.
Mitten in der Nacht, da er doch nicht schlafen konnte, stand er auf und verfasste einen Aufruf für die beiden damaligen katholischen Tageszeitungen „Neue Tiroler Stimmen“ und „Tiroler Anzeiger“, indem er sich an alle Tiroler Krippenfreunde wandte. Pfarrer Mößl hatte Eile, denn schon am 13. Jänner 1909, also am nächsten Tag erschien dieser in den beiden Tageszeitungen. Der gute Pfarrer Mößl wagte aber nicht den Aufruf zu unterzeichnen, denn er war selbst über sein kühnes Beginnen erschrocken. Er unterschrieb verschämt „Ein Krippenfreund“. Er wartete gespannt auf den Erfolg seines Versuchsballons, den er in der Presse steigen ließ. Der Erfolg war ein unerwarteter und durchschlagender. Johann Seisl, der am 30. Mai 1933 verstorbene Krippenvater von Wörgl war der erste der sich meldete und zwar mit den lapidaren Worten: „Endlich ist der Schuss gefallen und hat das Zentrum getroffen. Ich bin der erste, der sich als Mitglied zum Verein meldet.“ Eine lange Reihe begeisterter und gefühlvoller Zustimmung aus allen Teilen Nord- und Südtirols, besonders aus der Umgebung von Innsbruck, dem ganzen Inntal, Wipptal, Pustertal und der Brixner Gegend lief ein. Diese so hoffnungsvollen Zustimmungserklärungen gaben Pfarrer Mößl Mut und sogleich ließ er einen zweiten Aufruf von Stapel. Auch dieser Aufruf löste wieder eine Lawine von Zustimmungen und Anmeldungen aus. Nun schien dem Pfarrer Mößl der Zeitpunkt gekommen, dass er sein Inkognito lüfte und er sich vor aller Öffentlichkeit vorstellt. Mit einem dritten Aufruf, lud er zu einer Vorbesprechung am 3. Februar im Gasthaus „Zum Hirschen“ in Innsbruck  ein. Die am St. Blasiustag 1909 abgehaltene Vorbesprechung wurde zu einer glänzend besuchten Versammlung mit 108 Teilnehmern, wobei nicht einmal alle Einlass fanden. Die versammelten Krippenfreunde beschlossen mit begeisterten Zurufen die Gründung des „Vereins der Krippenfreunde“ und beauftragen Pfarrer Mößl mit der Durchführung aller Vorbereitungen. Es wurde beschlossen, die Vereinsgründung mit dem Tiroler Katholikentag, der vom 21. bis 23. Mai 1909 abgehalten wurde in Verbindung zu bringen. Die Gründungsversammlung wurde am Fuße des Berg Isel, im Gasthaus „Bierstindl“ am 17. Mai 1909 abgehalten. Nach Verlesung, der von Pfarrer Mößl verfassten Statuten, traten alle Anwesenden, 80 an der Zahl dem neu gegründeten Verein als Mitglieder bei. Der Mitgliedsbeitrag wurde mit 50 Heller festgelegt und auch die Herausgabe der Zeitschrift „Der Krippenfreund“ wurde beschlossen. Somit war der Tiroler Krippenverband aus der Taufe gehoben.
Der Krippenvater Chrysostomus Mößl wurde am 25. Februar 1863 in Untermais bei Meran geboren. Nach dem Gymnasium in Meran verspürte er den übermächtigen Wunsch Priester zu werden. 1881 entschied er sich für den Eintritt in den Prämonstratenserorden in Wilten. Bereits 1885 erfolgte seine Priesterweihe durch Fürstbischof Aichner in Brixen. Bis 1897 wurde er in mehreren Pfarren als Seelsorger eingesetzt. Nach einigen Jahren im Stift Wilten übernahm er 1902 die Pfarre in Lans – Sistrans. Nach 25 Jahren Obmann des Tiroler Krippenvereines legte er dieses Amt 1934 zurück und der Religionsprofessor Dr. Reinhold Reinalter wurde neuer Obmann. 1939 wurde das Stift Wilten aufgelöst und Mößl fand freundliche Aufnahme im Pfarrhaus in Tulfes. Am 11. Juli 1942 erlag der Krippenpionier seinem schweren Leiden. Noch am Sterbebett gab er seinem Freund Josef Gatlerer aus Axams den Auftrag: „Haltet fest an euren Krippen, pfleget und schätzt sie als heiliges Familiengut“.
1939 wurde der Krippenverband vom NS-Regime aufgelöst und die Vereinskasse wurde geplündert. Im Spätherbst 1945 erfolgte die Neugründung, wobei der erste „Krippenfreund“, Nr. 108 erschienen im Dezember 1945, mit folgenden Worten begann: „ Lang ists her seit der Jahresausgabe für die Krippenfreunde im Spätherbst 1939. Das war Heft Nr. 7, 31. Jahrgang. Ja, lang ists her. Das tausendjährige Reich der Nazi ist vorübergerauscht. Der Krippenfreund Nr. 108 lag, 32 Seiten stark, bereits druckreif vor; aber wegen „Papierknappheit“ durfte er nicht mehr gedruckt werden. Der Verein wurde „umgelegt“ – so sagt man, wenn man einen umbrachte, was nicht selten vorgekommen sein soll“.
Mit Zustimmung der französischen Militärregierung und der Sicherheitsdirektion nahm der Vorstand des Tiroler Krippenverbandes seine Tätigkeit wieder auf und es bildeten sich auch wieder Ortsvereine. Im November 1946 waren beim Verband bereits wieder 22 Ortsgruppen angemeldet. Seit dieser Zeit hat sich der Krippenverband ständig weiter entwickelt und derzeit gehören dem Verband 84 Ortsvereine mit ca. 6.500 Mitgliedern an. Seit 2001 hat der Tiroler Krippenverband auch seine eigene Zeitschrift „Das Krippengeschehen“ um die Information seiner Mitglieder zu verbessern. Der vom österreichischen Krippenverband heraus gegebene „Krippenfreund“ dient zur Information der Landesverbände aller 9 Bundesländer.


Vereinszweck:
Der Verein bezweckt die Neuanschaffung, Erhaltung, Pflege und Förderung von Weihnachts-, Fastenkrippen und Hl. Gräbern unter dem Gesichtspunkt ihrer religiösen, künstlerischen und heimatkundlichen Bedeutung sowie die Verbreitung des Krippengedankens und die Einführung der Krippendarstellung in Familie, Öffentlichkeit und im sakralen Bereich. Insbesondere obliegt dem Landesverband die Kontaktpflege mit interessierten Laien, Künstlern und Kunsthistorikern sowie mit der Geistlichkeit und Lehrerschaft zur Anregung des Krippengedankens. Unterstützung der regionalen Ortsvereine zur Durchführung von Lehrkursen für Krippenpflege, Restaurierung, Krippenbau, Mal-, Modellier- und Schnitzkurse. Förderung der Krippenforschung und Erstellung von Biographien bedeutender Krippenkünstler. Als ideelle Mittel dienen Vorträge über das Krippenwesen, Bildungsreisen, Exkursionen, Aus- und Fortbildung von Krippenbaumeistern als Kursleiter in den Ortsvereinen usw. Das erklärte Ziel ist: „In jeder Familie eine Krippe“.


Der Tiroler Landesverband wird sich weiterhin bemühen den Krippengedanken in Tirol zu erhalten und an die nachkommende Generation weiter zu geben.
Anni Jaglitsch,
Landesobfrau